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Prefilling – gängiger Praxis fehlt oft der kritische Blick

Im E-Mail-Marketing, oder direkter gesagt im Bereich des Newsletterversandes, da hat das Prefilling eine lange Tradition.

Als Prefilling wird das Vor-Ausfüllen von Formularfeldern auf der Landingpage des beworbenen Produktes durch die Übermittlung von Parametern aus einem Newsletter heraus bezeichnet.

Es werden also die Daten, die die versendende Firma in ihren Listen gespeichert haben, verwendet, um auf der Seite des beworbenen Produktes Formularfelder automatisch mit den Daten des Nutzers zu befüllen. So muss er sich zur Registrierung dort nicht mehr die Mühe machen, Anrede, Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse, Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort, Land, Geburtsdatum oder was sonst noch gefordert ist, manuell einzutippen.

Dieses Beispiel bezieht sich auf den Versuch einer Kaltakquise und nicht darauf, dass eine Firma eigene Kunden mit einem eigenen Angebot beschicken will. Hier wäre die Ausgangssituation eine andere.

Über ein solches Prefilling, so kann man es sehen, freuen sich drei Parteien:

  1. Der User selbst über seinen verringerten Aufwand
  2. Der Eigentüber des beworbenen Produktes, denn die Conversion-Rate (das Verhältnis von Registrierungen zu Besuchern) steigt, da die Hemmschwelle zur Teilnahme abgesenkt wurde
  3. Der Listeigner, der den Newsletter im Auftrag des Produkteigners verschickt hat: er liefert bessere Performanceraten, muss weniger Volumen versenden, schont seinen Verteiler und wird gerne wieder gebucht

Win-win-win – was will man mehr!?

Aber da gibt es mehr. Das Recht jedes Einzelnen darauf, dass mit seinen personenbezogenen Daten schutzwürdig umgegangen wird, wird hierbei verletzt. Dieser Vorgang ist zweifellos als eine Verarbeitung von personenbezogenen Daten ohne Einwilligung zu sehen. Denn als Verarbeitung ist gemäß § 3 Absatz 4 Satz 2 Nr. 3 und Nr. 3a BDSG bereits das Übermitteln der Daten in der einfachen Form des Bekanntgebens der Daten.

In dem geschilderten Fall hat der Betroffene nicht eingewilligt, dass seine Daten an den Produkteigner, also die dritte Firma, weitergegeben werden dürfen. Wäre dem so, dann bräuchte ein solche Kampagne nicht durchgeführt werden. Denn es ist ja eben das Ziel des Produkteigners, die Daten (im Einzelfall betrachtet) dieses noch unbekannten Users berechtigter Weise in seinen eigenen Datenbestand aufnehmen zu dürfen.

Also halten wir fest: dieses Prefilling, das Alltagspraxis in diesem Werbebereich ist, ist datenschutzrechtlich unzulässig.

 Doch welche Alternativlösungen gibt es hierfür?

Nun ja, die einfachste und bitterste ist, das Prefilling einfach zu unterlassen. Wirtschaftlich gesehen wäre damit ein Schaden für diese Branche verbunden.
Des weiteren wäre es wohl einen Versuch wert, ob die Methode einer gerichtlichen Prüfung standhalten kann, wenn nahe bei dem Klick-Button, der auf die Landingpage des beworbenen Produktes deutlich hervorgehoben vermerkt wird, dass die persönlichen Daten des Nutzers durch den Klick zum Zwecke der Vor-Ausfüllung der Formulare an die Zielseite übermittelt werden.

Bleibt zu hoffen, dass sich eine Lösung etabliert, die den teilnahmewilligen User nicht von seinem Ziel abhält. Sonst stünden wir vor einer loose-loose-loose-Situation.

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